VSOP oder ESOP
Echte Optionen auf echte Anteile gegen einen schuldrechtlichen Anspruch auf eine Barzahlung. Der Unterschied liegt in der Steuer.
Was es bedeutet
Ein ESOP gewährt echte Optionen auf echte Geschäftsanteile: Wer sie ausübt, wird Gesellschafter und steht im Handelsregister. Ein VSOP gewährt stattdessen einen rein vertraglichen Anspruch auf eine Barzahlung, die so berechnet wird, als hielte die Person diese Anteile. Man wird nie Gesellschafter, erhält kein Stimmrecht und taucht in keiner Gesellschafterliste auf. Wirtschaftlich lässt sich beides sehr ähnlich gestalten, rechtlich sind es zwei völlig verschiedene Dinge.
Warum es zählt
Das VSOP existiert vor allem aus einem praktischen Grund: In einer GmbH ist jede Übertragung von Geschäftsanteilen notariell zu beurkunden. Bei fünfzig Mitarbeitenden mit Beteiligung bedeutet das fünfzig Notartermine und entsprechende Kosten, und zwar jedes Mal, wenn jemand ausübt. Der zweite Grund ist die Steuer. Bei echten Anteilen kann bereits die verbilligte Überlassung einen geldwerten Vorteil auslösen, also eine Steuer auf einen Gewinn, den niemand in bar erhalten hat. Beim VSOP entsteht die Steuer regelmäßig erst mit der Auszahlung, wenn tatsächlich Geld fließt.
Rechenbeispiel
Eine Mitarbeiterin erhält 10.000 Einheiten mit einem Basiswert von 1,00 EUR. Beim Exit wird das Unternehmen so bewertet, dass ein Anteil 5,00 EUR wert ist. Im VSOP erhält sie 10.000 mal 4,00 EUR, also 40.000 EUR brutto als Zahlung des Arbeitgebers, versteuert wie Arbeitslohn mit dem persönlichen Steuersatz. Im ESOP müsste sie zunächst 10.000 EUR aufbringen, um auszuüben, würde Gesellschafterin und könnte anschließend ihre Anteile mitverkaufen. Der Betrag vor Steuern ist derselbe; der Zeitpunkt, der Steuersatz und die Frage, ob sie vorher 10.000 EUR flüssig haben muss, sind es nicht.
Der häufige Fehler
Anzunehmen, ein VSOP sei die schlechtere Variante, weil es keine echten Anteile sind. Für die meisten Mitarbeitenden ist es die praktikablere, weil kein Kapital aufzubringen ist und kein Termin beim Notar ansteht. Der eigentliche Fehler liegt woanders: Die Auszahlung hängt vollständig vom Vertrag ab. Ob sie bei einem Asset Deal ausgelöst wird, ob sie bei einer Kündigung verfällt und wie der Basiswert bestimmt wird, steht in den Bedingungen und nicht im Gesetz. Diese Klauseln sind zu lesen, bevor unterschrieben wird.
In der Praxis
In deutschen Startups ist das VSOP die verbreitete Form, und die Bedingungen unterscheiden sich zwischen Unternehmen erheblich. Die Fragen, die sich lohnen: Was löst die Auszahlung aus, was passiert bei einer Eigenkündigung, gibt es eine Verfallklausel für Good Leaver und Bad Leaver, und wie wird der Wert bei einem Exit unter der letzten Bewertung ermittelt. Seit dem Zukunftsfinanzierungsgesetz hat sich die Lage für echte Anteile verbessert, das VSOP bleibt aber der Standard. Ein Punkt, der oft übersehen wird: Ein VSOP ist eine Verbindlichkeit der Gesellschaft und keine Beteiligung, weshalb die Auszahlung beim Exit aus dem Kaufpreis kommt und in der Verhandlung mit dem Käufer auftaucht.
Was Sie fragen sollten
Fragen Sie zuerst, was die Auszahlung überhaupt auslöst: nur ein Share Deal, auch ein Asset Deal, ein Börsengang, eine Dividende. Diese Aufzählung steht in den Bedingungen und nirgendwo sonst, und sie entscheidet, ob die Zusage in dem Szenario greift, das tatsächlich eintritt. Fragen Sie zweitens, was bei einer Eigenkündigung passiert und ob zwischen Good Leaver und Bad Leaver unterschieden wird, denn manche Programme lassen bereits verdiente Einheiten verfallen, wenn jemand von sich aus geht. Fragen Sie drittens, wie der Basiswert bestimmt wird und wer ihn festlegt. Bei einem VSOP hängt alles am Vertrag, weil es kein Gesetz gibt, das die Lücken füllt, und genau deshalb sind diese drei Fragen vor der Unterschrift zu stellen und nicht danach. Lassen Sie sich die vollständigen Bedingungen aushändigen und nicht nur das Zusageschreiben, denn alle drei Antworten stehen dort und nirgendwo sonst.
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